Trotz reichlichem Genuss von
Kingfisher Draught am Vorabend war für samstägliche Verhältnisse heute frühes Aufstehen angesagt. Anlaß was der geplante Ausflug zum
Purandar Fort, welches ca. 50 Kilometer südlich von Pune liegt. Für eine Anfahrt dieser Größenordnung sollte man in Indien besser nicht weniger als 1,5 - 2 Stunden einplanen.
Vor der Besichtigung des Forts, welches sich in knapp 1400 Metern über einen Bergkamm

spannt und aus dem 14. Jahrhundert datiert, stand allerdings der Aufstieg. Und der war gar nicht ohne. Doch weder von steilen Pfaden noch vom zwischenzeitlich einsetzenden Regen haben wir uns von der Bewältigung der knapp 700 Höhenmetern abschrecken lassen. Auf mehr als halber Höhe war wegen des

Monsun-Regens eine kurze Zwangspause mit Unterstand in einer ehemaligen britischen Militärkaserne notwendig. Trotz bettelnder Blicke der sanften Tempelhunde - die sich voller Hoffnung an unsere Fersen geheftet hatten - konnte ich mich nicht dazu durchringen, meinen Müsliriegel zu teilen. Meine Nina hätte das vermutlich anders gesehen...
Schwierig gestaltete sich der zweite Aufstieg, da wir kaum den Einstieg in den Trail gefunden haben. Doch nach längerer Suche und einer demokratischen

Abstimmung, ob das Wagnis trotz der fortgeschrittenen Zeit noch angegangen werden soll, ging es nach oben. Da ich seit meiner Kindheit an einer ausgewachsenen
Akrophobie leide, musste ich mich an manchen Stellen ganz schön durchbeissen.
Der Lohn der Mühe war allerdings mehr als gerecht. Vom Fort bot

sich ein atemberaubender Ausblick, der mich schnell vergessen liess, dass ich mir vermutlich gerade die kummulierte Biermenge des Vorabends wegen einer Mischung aus Anstrengung und Angst durchs "Dry Fit" Hemd geschwitzt habe.
Nach ausgiebiger Betrachtung der Aussicht und der Erkundung

des Forts, das sich über mehrere 100 Meter ausdehnt, machten wir uns an den Abstieg. Da wir eine weniger abenteuerliche und darüber hinaus knieschonende Variante des Weges gewählt hatten, zog sich dieser eben etwas in die Länge. Nach sieben Stunden und einer Vielzahl von schönen Eindrücken waren wir dann aber wieder wohlbehalten am Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Unser Fahrer erwartete unsere Ankunft im Dorf am Fusse des Berges, auf dem das Fort thront -

allerdings nicht alleine, sondern mit der versammelten Männlichkeit des Dorfes. Noch immer ist auf dem Land die Ankunft (oder in dem Fall Abfahrt) des weissen Mannes ein Großereignis, was gebührend betrachtet und beschwatzt werden muss.
Nach einem kurzen Zwischenstopp - erbeten durch unseren Fahrer zum Gebet im Tempel - ging es dann aber zurück nach Pune.
Jetzt sitze ich hier und tippe diese Zeilen und sterbe fast vor Hunger. Doch in wenigen Minuten wird uns die Motor-Rikshaw zu einem Restaurant namens "Hyderabad Spices" bringen wird. Hoffentlich ist der Name Programm!